Die guade oide Zeit

 

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich die Menschen in meinem Umfeld belächelt, die immer wieder von früher erzählt haben.

Die ewig Gestrigen halt, na ja. 😉

IMG_5979

Aber ich beobachte es vermehrt auch an mir selbst. Sehe ich wie neulich im Freilichtmuseum von Markus Wasmeier am wunderschönen Schliersee eine Küche mit Eckbank, die bezogen ist mit Plastik. An den Wänden blumige Tapeten und wild gemusterte Vorhänge. Die Küche sah genauso aus wie bei uns in den 60/70igern.

Mir wurde ganz warm um’s Herz. Ach wie schön gemütlich. Ich konnte meine Eltern, Geschwister und mich förmlich um den Tisch sitzen sehen mit der samstäglichen Buttermilchsuppe, die irgendwann nicht einmal mehr riechen konnte.

IMG_5986

IMG_5980

Oder der tolle Toaster, der noch seitlich aufzuklappen war. Wie gern aß ich das darin geröstete Brot mit Schmelzkäse oder Butter. Hmmm, welch ein Genuss. Da kommt heutzutage kein Toaster mit.

Und die Bohnermaschine, nach deren Benutzung man so herrlich im Flur auf den Socken rutschen konnte, als hätte man Schlittschuhe an.

IMG_5984IMG_5981

Das alte Moped. Ich seh vor mir meinen Vater darauf sitzen, mit Anzug und Krawatte herausgeputzt, wie er seine große Liebe und meine spätere Mutter stolz zum Tanz abholt.

IMG_5991

Ich weiß, mein Blick ist verklärt. Es war natürlich nicht alles gut und schön. Aber besonders in diesen Zeiten sehne ich mich nach meiner unbeschwerten, behüteten Kindheit. Keine Ahnung von Krieg, Hunger, Naturkatastrophen.

Dafür im Gras sitzen und Blumenkränze binden. Der Duft von frisch gemähter Wiese macht mich heute noch glücklich.

IMG_5967

Vielleicht brauche ich auch diese Ausflüge in die „gute alte Zeit“, um im Erwachsenenleben bestehen zu können.

Darum mag ich wohl auch Shabby Chic so gerne, denn wie eine liebe Bekannte von mir so schön sagte

„Ich mag halt das alte „Glump“ so gern 🙂

IMG_5983

*******************************************************************

Alte Zeit

Alte Zeit, nun so fern,

Daß du dahin bist, bedenk ich,

Aber noch immer versenk‘ ich

In deine Bilder mich gern,

Noch immer träum‘ ich von ihnen,

Den Sternen, die einst mir geschienen,

So hell blinkt nie mehr ein Stern.

Alte Zeit, nun so fern,

Daß du vorbei bist, bedenk ich,

Aber zunicke wie lenk‘ ich

Zu dir die Gedanken so gern;

O sag‘ mir, wie ich vergessen

Die Gegenwart, aber statt dessen

Erneuern Vergangenes lern‘.

Alte Zeit, nun so fern,

Daß du vorüber, bedenk ich,

Aber noch immer beschenk‘ ich

Mit deiner Tröstung mich gern;

Sie soll mir dienen zur Labe,

Bis einstmal der sinnige Knabe,

Der Tod, mich geleitet zum Herrn.

Leberecht Dreves (1839)

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s