„Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“ (Goethe)

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Vielleicht kommt mein Faible für alte, gut gemachte Schuhe von meinem Vater, der gelernter Schuhmacher war. Nicht Schuster, sondern Schuhmacher, darauf legte er Wert. 🙂

Noch heute sehe ich ihn mit seinem blauen Kittel an der Schustermaschine sitzen, wie er aufgeplatzte Nähte wieder verschloss, schiefe Absätze korrigierte oder zu enge Schuhe von Damen sanft ausklopfte, damit sie bequem waren und passten. Unermüdlich ging er fast täglich nach seiner regulären Arbeit in den Keller zum Schustern, wo stapelweise die Schuhe von Verwandten, Freunden und eines Schuhgeschäftes auf ihn warteten. Er war immer darauf bedacht, dass meine Mutter und wir als Kinder gutes Schuhwerk anhatten und er konnte richtig böse werden, wenn wir beim Ausziehen der Schuhe die Bänder nicht öffneten, sondern einfach rausschlüpften.

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Schmutzige oder gar abgelaufene Schuhe gab es bei uns nicht. Auch wenn ich ihm im Erwachsenenalter Schuhe von mir mit abgelaufenen Absätzen brachte, kamen diese nach wenigen Tagen gerichtet und geputzt wieder zurück zu mir.

Wir hatten nicht viele Schuhe. Aber die Schuhe, die war hatten, waren sehr haltbar, gut vernäht und passten. Im Sommer liefen wir viel barfuß, ein Segen für die Füße, was heute leider vielen Füßen verwehrt bleibt. Mit nackten Füßen durch das feuchte Gras laufen, in Pfützen springen, den warmen Sommerregen barfuß genießen.

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Die ersten Schuhe meiner Tochter 🙂

Laufen wir doch wieder mal durch das nasse Gras, hüpfen durch die Pfützen, tanzen wir, als gebe es kein Morgen mehr. Spüren wir das Leben. Genießen wir die Natur. Jetzt kommt der Frühling. Es beginnt zu Grünen und Blühen. Wir sind reich, wenn wir diese kleinen Dinge schätzen und uns an den einfachen und doch so großartigen Dingen erfreuen, die uns die Natur immer wieder von neuem bietet.

Das ist doch, was das Leben so lebenswert macht.

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Er ist’s

Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
—  Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab‘ ich vernommen!

Eduard Mörike
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